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Mensch und Biene – eine Schicksalsgemeinschaft

Bei manchen Völkern haben einige Tiere eine besondere Stellung. In Indien gelten beispielsweise Kühe als heilig. In Rajasthan werden sogar Ratten verehrt. Im Gegensatz dazu kannten die Deutschen bisher kein Tier, dem sie eine spezielle Bedeutung zugeschrieben hätten. In letzter Zeit bringen jedoch immer mehr Deutsche die Biene mit dem Aussterben der Menschheit in Verbindung. Von Albert Einstein stammt der Spruch: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben – keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Früchte mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Denn mehr als 90 % aller Blütenpflanzen sind zumindest teilweise auf die Übertragung von Pollen durch Insekten wie Bienen angewiesen, um Früchte zu bilden. Ohne ausreichend Früchte fehlt es jedoch Menschen und Tieren an Nahrung.

Tatsächlich ist die Biene heute weltweit bedroht, insbesondere in Europa und Amerika. Das Sterben der Bienen hat verschiedene Ursachen. Zum einen sind es die Pflanzenschutzmittel, die in der modernen Landwirtschaft eingesetzt werden. Sie wirken bei den Bienen als Nervengift. Dann finden sie von ihren Flügen oft nicht mehr nach Hause. Außerdem setzen ihnen die großflächigen Monokulturen der Landwirtschaft zu. In Deutschland werden auf der gesamten landwirtschaftlichen Fläche kaum mehr als 15 Nutzpflanzen angebaut. Die Flächen sind zu großen Feldern zusammengelegt, auf denen nur noch eine Pflanzenart steht, damit sie effektiver bewirtschaftet werden können. Das hat zur Folge, dass ein Bienenvolk oft nicht mehr als 2 – 3 Blütenarten anfliegen kann. Die Futtergrundlage ist deshalb sehr einseitig und die Bienen können sich nicht vollwertig ernähren. Das macht sie anfällig für Krankheiten.

Dann wurde im letzten Jahrhundert aus Südostasien ein Schadinsekt nach Europa eingeführt, das sich seit Mitte der 1980er Jahre stark verbreitet hat: die Varroamilbe. Während die asiatische Biene mit diesem Parasiten einigermaßen klarkommt, ist ihm die europäische Biene nahezu schutzlos ausgeliefert. Wenn eine Biene so groß wie ein Mensch wäre, dann entspräche dies bei der Varroamilbe der Größe eines Kaninchens. Oft hängen an einer Biene sogar 2 – 3 Milben und bohren Löcher in ihren Chitinpanzer, durch die dann Krankheitserreger eindringen können und die Biene töten. Ohne intensive Schutzmaßnahmen der Imker wäre die Biene in Europa und Amerika bereits heute ausgestorben. Viele Deutsche wollen der Biene helfen, denn ihr Überleben bedeutet für sie symbolisch die Rettung der Erde. Immer mehr Menschen in Deutschland werden derzeit Imker und halten in ihrem Garten oder auf ihrem Balkon 2 – 3 Bienenvölker. So bin auch ich vor 8 Jahren Imker geworden und es hat mein Leben grundlegend verändert. Inzwischen gibt es in Deutschland 150.000 Imker, die etwa 1.000.000 Bienenvölker betreuen.

Doch was mich am meisten an den Bienen fasziniert, ist die Tatsache, dass eine Biene in ihrem kurzen Leben nur etwa 3 Gramm Honig produziert. Für ein Glas Honig (500 g) müssen die Bienen etwa 120.000 km zurücklegen. Das ist immerhin dreimal um die Erde. Wir Deutschen sind Weltmeister im Honigverbrauch. Jeder Deutsche isst pro Jahr 1,1 kg Honig. So versüßen die Bienen unser Leben und bilden mit uns Menschen letztendlich eine Schicksalsgemeinschaft.

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